Deutsche Wirtschaft warnt vor komplettem Rückzug aus China


Foto: Chinesische Flagge, über dts Nachrichtenagentur

In der Debatte um die Zukunft der deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu China haben sich führende deutsche Industriemanager für ein differenziertes Verhältnis und gegen einen kompletten Rückzug ausgesprochen. In einem Gastbeitrag für die FAZ warnten sie vor den Folgen einer zu schnellen Loslösung vom Reich der Mitte für den Wohlstand in Deutschland.

China sei in den vergangenen 50 Jahren der weltweit zweitgrößte und dynamischste Markt geworden. “Deswegen ist unsere Präsenz dort im eigenen Interesse der deutschen Wirtschaft besonders wichtig”, heißt es. “Wir sichern damit Arbeitsplätze und Lebensunterhalt vieler Menschen in Deutschland.” Trotz aller aktueller Herausforderungen im Verhältnis zu China werde diese grundsätzliche Wachstumsdynamik weiterhin bestehen bleiben.

“Ein Rückzug aus China würde uns von diesen Chancen abschneiden”, warnen die Vorstandschefs Martin Brudermüller (BASF), Roland Busch (Siemens), Belen Garija (Merck), Stefan Hartung (Bosch), Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf), Jan Rinnert (Heraeus), Klaus Rosenfeld (Schaeffler) und Angela Titzrath (Hamburger Hafen). Aus Sicht der Autoren ist es etwa angesichts der besorgniserregenden Spannungen in der Straße von Taiwan oder der Menschenrechtssituation in der Provinz Xinjiang richtig, dass Deutschland sein Verhältnis zu China heute anders definiert als in der Vergangenheit, doch in der aktuellen öffentlichen Situation nehme man “fast eine fast ausschließliche Betonung der Rivalität der Systeme wahr – in Worten wie in Maßnahmen”. Die Autoren plädieren deshalb dafür, “dass Deutschland sein Verhältnis mit China heute differenzierter definiert – entlang der drei Dimensionen Wettbewerb, Kooperation und Systemrivalität”. Diese in eine zukunftsweisende Balance zu bringen, sei eine schwierige, aber notwendige Aufgabe.

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“Unabdingbare Voraussetzungen dafür sind ein gezielter und kontinuierlicher Abbau von Abhängigkeiten, den wir heute starten müssen, sowie ein wirtschaftlich und technologisch starkes Europa”, heißt es in dem Beitrag.